SEESPORT
Schweriner Marathon 1997
von Norbert Poppe
Es war mal wieder soweit! Nach einem ruhigen Familiensamstag durch die große Stadt, hörte ICH, es geht nächste
Woche auf Tour.
Also wurde ICH mal wieder aus MEINEM Element gerissen und auf so ein viereckiges Gestell mit Rädern gestellt, brutal
festgezurrt und alles was MIR gehört in MICH reingeschmissen und angebunden. Es war alles so hart und das Wiegen auf
den Wellen fehlte MIR, von Träumen ganz zu schweigen. Die denken wohl, ICH setze dabei zu viel Fett an. Und dann am
Freitag ging es los.
Es wurde wieder so ein blaues Zugpferd vorgespannt, welches MICH mit fürchterlichem Gestank, hinten aus so einem Rohr,
verpestete. Über holprige und Bum-Bum-Wege zog MICH das Pferd in eine andere Stadt mit einem angeblich großen
See. Auf dem Weg dahin wurden wir unterwegs von vielen bunten Blechkästen auf Rädern überholt, welche auch
so einen fürchterlichen Gestank verbreiteten. Naja, ICH kenne das natürlich schon, wollte es bloß noch mal
erwähnen, denn so schnell wie dabei fahre ICH sonst auf dem Wasser nicht.
Also wir kamen an dem See an und es fiel MIR ein, daß ICH ja schon mehrmals hier war. Im vorigen Jahr, nach der Segelei,
tobten die Kerle auf MIR rum, als wenn sie gewonnen hätten. Hatte ICH auch, glaube ICH.
Aber am meisten freue ICH mich schon auf die abgeschlafften Gesichter, wenn sie MICH endlich ins Wasser und später
wieder rausgekurbelt hatten und alles schööön langsam mit Muskelkraft. ICH hatte eine schöne ruhige
Nacht und wiegte MICH auf den Wellen. Am Morgen aber, wehte ein böser Wind, 7 Windstärken, in Böen 8
und diese brutalen Kerle zerrten die Segel hoch und scheuchten MICH auf den See. Nach einem Knall ging es dann erst richtig
los, sie zurrten und zerrten auf MIR herum als wenn es um etwas ginge. Wir segelten an eine Brücke, dann rissen die Kerle
die Masten runter und zwei von ihnen mußten rudern. Zum Totlachen, wenn ich da an MEINE Jugendzeit zurückdenke.
Nach der Brücke die Masten wieder hoch und mit allen Segeln voran, bis wir so ein buntes Blechfass erreichten und es
zurückging. Da begann erst die Quälerei. Diese harten Böen, dieses harte Einsetzen in die Wellen
erschütterten MICH bis in mein Schwert. Manchmal dachte ICH schon daran, MICH des Großmastes zu entledigen,
aber ICH wollte mal nicht so sein und die 630 kg Lebendgewicht enttäuschen.
Die hätten ja vielleicht zurückrudern müssen. Mit dieser Lachnummer wären sie überall gut angekommen.
Wir waren wieder an dieser Brücke ohne auf Grund zu rammeln, davor hatte doch dieser dicke Steuermann am meisten Schiss.
Masten wieder runter, Masten rauf und dazwischen diese lachhafte Ruderei, und die Sprüche: „wir sind halt Segler und keine
Ruderer usw“
Jedenfalls war nach der Brücke die Segelei nicht mehr so anstrengend für MICH und ICH hatte endlich mal wieder Zeit
MICH nach MEINEN Bootskumpels umzublicken, aber da war keiner mehr in der Nähe. Es wunderte MICH schon vorher,
daß so eine Hochstimmung unter diesen Nichtruderern herrschte. Als nach einem Tuten, das Gegröhle und Gejohle
losging, wußte ICH, ICH habe wieder für sie gesiegt. Und wie ICH später hörte, in neuer Rekordzeit.
Einen Vorteil hatte dieser starke Wind und die hohen Wellen doch, meine Hosenscheisser kamen nicht zum Biersaufen,
sonst hätten sie MICH wieder zu einer Pissbude umgewandelt. Die pinkeln dann in so einen Urinator. Urinator, das
ICH nicht Lache, das ist eine abgeschnittene Cola-Plastikflasche.
Zur Siegesfeier haben die Helden MICH nicht mitgenommen, da sollen sie sich mit so einer nordischen Weibertruppe
abgeknutscht haben. Ein Glück, daß ICH nicht dabei war, sonst hätte MICH diese OCTOPUSCHI mit
ihren Fangarmen vielleicht gekrallt und aufgefressen.
Am nächsten Tag ging es wieder nach Hause in meinen Heimathafen. Eigentlich kann doch diese Horde mit MIR
ganz zufrieden sein, wenn sie MICH bloß besser pflegen würden, oder soll ICH das auch noch selber machen?
Da sind so großmäulige Jungmannen, die bringen immer einen Haufen Dreck auf MICH rauf und lassen ihn
immer da. Na gut, es sind auch ein paar alte Säcke vorhanden, die an MIR herumfummeln und MICH
manchmal säubern und eindecken. ICH darf doch mal Kritik üben, oder? Schließlich bin ICH jetzt in
einem freien Lande, oder?
Euer „Matjes“



